Die Methode

So funktioniert's.

CheersCount zählt nicht einfach Getränke und multipliziert. Es rechnet ein kleines pharmakokinetisches Modell davon, was dein Körper mit jedem Getränk macht. Hier steht, was drinsteckt, woher die Zahlen kommen und wo es unzuverlässig wird.

Geschrieben von Andreas, der CheersCount entwickelt. Stand Oktober 2026.

1.Die Form der Kurve

Alkohol gelangt aus dem Darm ins Blut, steigt bis zu einem Höchstwert und wird dann von der Leber in ziemlich gleichmäßigem Tempo abgebaut. Das Modell behandelt deinen Körper als ein einziges Kompartiment: Alkohol fließt hinein (Aufnahme) und wird mit nahezu konstanter Rate entfernt (Abbau).

Daraus ergibt sich die bekannte Form: ein schneller Anstieg, gefolgt von einem langen, fast geraden Abfall. Es ist das Widmark-Modell mit einer Aufnahmephase, die Standardbeschreibung in der forensischen und klinischen Alkoholforschung.

Ein Abend auf nüchternen Magen
19:00 21:00 23:00 01:00 03:00
  • Schätzung
  • ±25 % Band

Vier Halbe im Stundentakt, Mann mit 80 kg. Das Band ist die individuelle Spanne von ±25 %.

Quellen: [1][3]

2.Dein Körper

Wie hoch dich dasselbe Getränk bringt, hängt davon ab, auf wie viel Körperwasser sich der Alkohol verteilt. Widmark nutzte einen festen Faktor pro Geschlecht. CheersCount verwendet die Regression von Seidl und Kollegen, die ihn aus Geschlecht, Größe und Gewicht schätzt und in deren Trinkversuchen besser passte als die verglichenen Alternativen.

Das Alter kommt in dieser Gleichung nicht vor, deshalb fragt die App nie nach deinem Geburtstag.

Quellen: [1][2]

3.Aufnahme braucht Zeit

Ein Getränk ist nicht im Blut, sobald das Glas leer ist. Auf nüchternen Magen kommt der Höchstwert meist 30 bis 45 Minuten später, nach einer ordentlichen Mahlzeit kann es 90 bis 120 Minuten dauern.

Das Modell verteilt jedes Getränk auf sein eigenes Aufnahmefenster, deshalb sehen eine schnelle Runde und ein langsamer Abend unterschiedlich aus, auch wenn die Gesamtmenge gleich ist.

Quellen: [3][8]

4.Getränkestärke

Stärker heißt nicht einfach schneller. Am schnellsten wird Alkohol aus Getränken mit etwa 20-30 % aufgenommen, an beiden Enden langsamer: bei Bier, weil es verdünnt ist und viel Flüssigkeit mitbringt, bei purem Schnaps, weil eine hohe Konzentration die Magenentleerung bremst.

Im Modell liegt der schnellste Punkt bei 22 %. Bei gleicher Alkoholmenge verändert das den geschätzten Höchstwert deutlich.

Dieselben 14 g Alkohol in unterschiedlicher Stärke
  • Bier, 5 %75 %
  • Wein, 12 %98 %
  • Likör, 22 %100 %
  • Schnaps, 40 %91 %
  • Hochprozentig, 60 %86 %

Ein Getränk auf nüchternen Magen, Mann mit 80 kg. Geschätzter Höchstwert im Verhältnis zum höchsten.

Quellen: [5][6]

5.Essen

Essen ist der größte Faktor, den du beeinflussen kannst. Eine Mahlzeit hält den Alkohol länger im Magen, er kommt langsamer ins Blut, und mehr davon wird abgebaut, bevor er dort ankommt. Beides senkt den Höchstwert.

Wie lange der Magen braucht, hängt vor allem von den Kalorien ab, deshalb fragt die App nach der Größe der Mahlzeit oder deiner eigenen Schätzung. Kalorienhaltige Getränke zählen auch: Ein normales Cola bremst die folgenden Getränke wie ein Snack, ein Cola Zero bewirkt nichts.

Im am besten gemessenen Fall, zehn Männer, die direkt nach einem Frühstück mit rund 1.000 kcal tranken, lag der Höchstwert 36 % unter dem auf nüchternen Magen. Das Modell kommt für diesen Fall auf 31 %. Studien fanden außerdem, dass Essen den Abbau eine Zeit lang beschleunigt; das Modell lässt das weg, und eine Mahlzeit ist kein Weg, schneller nüchtern zu werden.

Dieselben vier Bier, mit und ohne Abendessen
19:00 21:00 23:00 01:00 03:00
  • Mit Abendessen
  • Nüchterner Magen
  • ±25 % Band

Ein mittleres Abendessen zum ersten Bier. Modellschätzung, keine Messung.

Quellen: [7][8][9]

6.Wasser

Wasser senkt deinen Blutalkohol nicht. Dein Körper enthält rund 40 Liter Wasser, ein Glas ändert also fast nichts, und die Leber baut nicht schneller ab, wenn du mehr trinkst. Das Modell lässt Wasser deshalb bewusst außen vor.

Alkohol lässt dich allerdings Flüssigkeit verlieren, in älteren Versuchen rund 10 ml Harn pro Gramm Alkohol, in neueren weniger. Die App zeigt das auf einem eigenen Balken, der die Kurve nie berührt. Ob Wasser gegen den Kater hilft, ist weniger klar, als viele glauben.

Quellen: [10][11]

7.Abbau und Kalibrierung

Deine Leber baut Alkohol in nahezu konstantem Tempo ab. Der Durchschnitt bei moderat Trinkenden liegt bei etwa 0,15 ‰/h, und Menschen weichen stark davon ab. Solange du nicht gemessen hast, verwendet die App den Durchschnitt.

Eine eigene Rate eintippen kannst du bewusst nicht. Eine geschönte Schätzung würde nicht nur das Ende verkürzen, sondern die ganze Kurve senken.

Wenn du einen Alkoholtester hast, ergeben zwei Messungen auf dem absteigenden Verlauf, mindestens 20 Minuten auseinander, direkt deine eigene Rate. Messungen mehrerer Abende werden zusammengeführt, bei wenigen Daten Richtung Durchschnitt gezogen und zwischen 0,08 ‰/h und 0,30 ‰/h gehalten.

Quellen: [3][4]

8.Wo es unzuverlässig wird

Das Modell beschreibt einen typischen Körper. Folgendes kennt es nicht:

  • Medikamente, die den Magen verlangsamen (zum Beispiel GLP-1-Präparate), oder eine Magenverkleinerung können die Kurve stark verschieben, und das Modell berücksichtigt beides nicht.
  • Der echte Höchstwert kann eine Stunde oder mehr nach dem letzten Getränk kommen, besonders nach einer großen Mahlzeit.
  • Nahe null wird der Abbau langsamer, was das Modell noch nicht abbildet. Nimm die Zeit bis null als ungefähre Angabe.
  • Null auf der Kurve heißt nicht erholt. Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Reaktion können am nächsten Tag beeinträchtigt sein, auch wenn kaum noch Alkohol im Blut ist.
  • Es kann nicht sagen, ob du fahren kannst oder darfst. Triff diese Entscheidung nicht mit einer Schätzung.

Quellen: [12]

Literatur

Die Studien, auf die sich das Modell und diese Seite stützen, nummeriert wie oben zitiert.

  1. [1]
    Widmark, E.M.P. (1932). Die theoretischen Grundlagen und die praktische Verwendbarkeit der gerichtlich-medizinischen Alkoholbestimmung. LinkPrinciples and Applications of Medicolegal Alcohol Determination (English version)
  2. [2]
    Seidl, S., Jensen, U., Alt, A. (2000). The calculation of blood ethanol concentrations in males and females. Int J Legal Med 114:71-77. DOI
  3. [3]
    Holford, N.H.G. (1987). Clinical pharmacokinetics of ethanol. Clin Pharmacokinet 13:273-292. DOI
  4. [4]
    Jones, A.W. (2010). Evidence-based survey of the elimination rates of ethanol from blood. Forensic Sci Int 200:1-20. DOI
  5. [5]
    Roine, R.P. et al. (1991). Effect of concentration of ingested ethanol on blood alcohol levels. Alcohol Clin Exp Res 15:734-738. DOI
  6. [6]
    Mitchell, M.C. et al. (2014). Absorption and peak blood alcohol concentration after drinking beer, wine, or spirits. Alcohol Clin Exp Res 38:1200-1204. DOI
  7. [7]
    Hunt, J.N., Stubbs, D.F. (1975). The volume and energy content of meals as determinants of gastric emptying. J Physiol 245:209-225. DOI
  8. [8]
    Ramchandani, V.A., Kwo, P.Y., Li, T.-K. (2001). Effect of food and food composition on alcohol elimination rates in healthy men and women. J Clin Pharmacol 41:1345-1350. DOI
  9. [9]
    Jones, A.W., Jönsson, K.Å. (1994). Food-induced lowering of blood-ethanol profiles and increased rate of elimination immediately after a meal. J Forensic Sci 39:1084-1093. DOI
  10. [10]
    Eggleton, M.G. (1942). The diuretic action of alcohol in man. J Physiol 101:172-191. DOI
  11. [11]
    Hobson, R.M., Maughan, R.J. (2010). Hydration status and the diuretic action of a small dose of alcohol. Alcohol Alcohol 45:366-373. DOI
  12. [12]
    Gunn, C., Mackus, M., Griffin, C., Munafò, M.R., Adams, S. (2018). A systematic review of the next-day effects of heavy alcohol consumption on cognitive performance. Addiction 113:2182-2193. DOI

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