Was dieser Rechner anders macht als die Widmark-Formel
- Aufnahme braucht Zeit. Jedes Getränk geht nach und nach ins Blut über, deshalb liegt der Höchstwert meist ein Stück nach dem letzten Getränk und nicht genau dort. Wie lange das dauert, hängt davon ab, wie voll dein Magen ist, wie stark das Getränk ist und wie viel davon.
- Essen verändert die Kurve doppelt. Der Magen gibt seinen Inhalt mit etwa 2-8 kcal pro Minute weiter (Hunt und Stubbs 1975), eine größere Mahlzeit hält den Alkohol also länger zurück. Und je länger er in einem vollen Magen wartet, desto mehr davon wird abgebaut, bevor er ins Blut gelangt (Jones und Jönsson 1994). Das Modell begrenzt diesen Verlust auf 30 %. Kalorienhaltige Getränke zählen dabei mit: Ein normales Cola bremst alles, was du danach trinkst, ein Cola Zero nicht. Eine Mahlzeit beschleunigt außerdem eine Zeit lang den Abbau (Ramchandani et al. 2001); das lässt das Modell weg, sein Abfall fällt dadurch eher zu lang aus.
- Stärker heißt nicht schneller. Am schnellsten wird Alkohol bei etwa 22 % vol. aufgenommen, Bier und purer Schnaps sind beide langsamer (Roine et al. 1991; Mitchell et al. 2014). Die Details stehen (auf Englisch) in meinem Artikel über die Wiesn-Maß.
- Körperwasser statt nur Körpergewicht. Wie stark der Alkohol verdünnt wird, berechnet der Rechner mit der Formel von Seidl et al. (2000) aus Geschlecht, Größe und Gewicht, statt mit einem festen Faktor von 0,68 oder 0,55 für alle.
- Der Abbau ist gleichmäßig. Die Leber baut Alkohol mit annähernd konstanter Rate ab. Der Rechner nimmt dafür den Durchschnitt von 0,15 ‰ pro Stunde (Jones 2010).
Was der Rechner nicht sehen kann
Einiges. Das Wichtigste ist deine eigene Abbaurate. Sie liegt meist irgendwo zwischen etwa 0,10 und 0,20 ‰ pro Stunde, bei Menschen, die viel trinken, auch höher. Im Modell senkt ein Wechsel von 0,10 auf 0,25 den Höchstwert um etwa ein Drittel und verkürzt die Zeit bis null um mehr als die Hälfte. Genetik, Medikamente, wie schnell sich dein Magen leert und was genau du gegessen hast, sieht er auch nicht. Dafür ist das Band da, und deshalb steht bei jeder Zahl auf dieser Seite "geschätzt".
Wie groß der Essenseffekt ist, hängt von der Menge ab. In der Studie, an der sich das Modell messen lässt, tranken zehn Männer 0,80 g Alkohol pro kg Körpergewicht (bei 80 kg etwa so viel wie in drei halben Litern Bier) direkt nach einem reichhaltigen Frühstück. Ihr Höchstwert lag 36 % und die Gesamtbelastung 39 % unter dem Wert auf leeren Magen (Jones und Jönsson 1994). Das Modell kommt bei dieser Menge auf etwa 31 % und 39 %. Bei einem einzelnen Bier zeigt es einen deutlich größeren relativen Effekt, weil die Leber von einer kleinen Menge mehr abbauen kann, solange sie langsamer ankommt. Diesen Fall hat keine Studie gemessen. Lies den Abstand zwischen den beiden Linien deshalb als Schätzung mit derselben Unsicherheit wie alles andere, nicht als etwas, womit man planen kann.
Warum ein Bereich statt einer Zahl
Zwei Menschen mit gleicher Größe, gleichem Gewicht und denselben Getränken können beim tatsächlichen Blutalkohol um etwa 20-30 % auseinanderliegen. Ein Rechner, der dir ein Ergebnis auf zwei Nachkommastellen ausgibt, behauptet eine Genauigkeit, die er nicht hat. Das schattierte Band zeigt ±25 % um die Schätzung, und die App zeigt standardmäßig dasselbe Band.
Kann ich damit entscheiden, ob ich noch fahren darf?
Nein. Weder mit diesem Rechner noch mit der App noch mit irgendeinem anderen Rechner. Er kennt deine echte Abbaurate nicht, und ±25 % können den Unterschied zwischen zwei ganz verschiedenen rechtlichen Situationen ausmachen. Deshalb gibt es in der Grafik keine Promillegrenze. Wenn du getrunken hast und dir nicht sicher bist, fahr nicht.
Häufige Fragen
Senkt Essen den Promillewert?
Ja, auf zwei Arten. Eine Mahlzeit verlangsamt die Magenentleerung, dadurch kommt der Alkohol langsamer in den Dünndarm, wo der Großteil aufgenommen wird, und der Höchstwert kommt später und fällt niedriger aus. Und je länger der Alkohol in einem vollen Magen bleibt, desto mehr davon wird abgebaut, bevor er überhaupt ins Blut gelangt. Das Modell begrenzt diesen Verlust auf 30 % der Menge. Kalorienhaltige Getränke zählen dabei auch als Essen: Ein normales Cola bremst die Getränke danach, ein Cola Zero nicht.
Senkt Wasser trinken den Promillewert?
Nein. Alkohol verteilt sich im gesamten Körperwasser, bei einem 75 kg schweren Erwachsenen rund 42 Liter. Ein halber Liter Wasser verändert dieses Volumen um etwa ein Prozent, und die Nieren scheiden das zusätzliche Wasser innerhalb einer Stunde wieder aus. Die Leber baut Alkohol mit einer annähernd festen Rate ab, die sich durch mehr Flüssigkeit nicht beschleunigen lässt. Wasser zwischendurch tut dir gut, an dieser Kurve ändert es nichts. Deshalb lässt der Rechner es bewusst weg.
Wie viel Promille baut man pro Stunde ab?
Im Durchschnitt etwa 0,15 ‰ pro Stunde, sobald die Aufnahme abgeschlossen ist. Bei dieser Rate dauert es für 0,5 ‰ etwas mehr als drei Stunden. Deine eigene Rate kann deutlich darüber oder darunter liegen. Kaffee, Wasser oder eine kalte Dusche beschleunigen sie nicht; eine Mahlzeit hebt sie eine Zeit lang an, aber auch dann dauert der Abbau von ein paar Getränken Stunden, und der Rechner lässt diesen Effekt weg.
Warum kommt der Höchstwert erst nach dem letzten Getränk?
Weil die Aufnahme Zeit braucht. Jedes Getränk geht nach und nach ins Blut über, je nach Mageninhalt, Stärke und Menge in etwa einer halben Stunde bis zu zwei Stunden oder länger. Solange ein Getränk schneller aufgenommen wird, als die Leber abbaut, steigt die Kurve weiter.
Kann ich damit entscheiden, ob ich noch fahren darf?
Nein. Der Rechner kennt deine echte Abbaurate nicht, und der tatsächliche Wert weicht individuell um etwa ±20-30 % ab. Das kann den Unterschied zwischen zwei ganz verschiedenen rechtlichen Situationen ausmachen. Deshalb zeigt die Grafik auch keine Promillegrenze. Wenn du getrunken hast und dir nicht sicher bist, fahr nicht.
Was bedeuten ‰, g/l, % und mg/100 ml?
Es ist derselbe Wert in vier Schreibweisen. In diesem Rechner sind ‰ und g/l zahlengleich, % ist der Promillewert geteilt durch zehn (0,5 ‰ sind 0,05 %), und mg/100 ml ist der Promillewert mal 100 (0,5 ‰ sind 50 mg/100 ml).
Werden meine Eingaben gespeichert oder verschickt?
Nein. Die Berechnung läuft vollständig in deinem Browser, und nichts von dem, was du eingibst, verlässt die Seite.
Quellen
- Widmark, E.M.P. (1932). Die theoretischen Grundlagen und die praktische Verwendbarkeit der gerichtlich-medizinischen Alkoholbestimmung.
- Seidl, S., Jensen, U., Alt, A. (2000). The calculation of blood ethanol concentrations in males and females. Int J Legal Med 114:71-77.
- Jones, A.W. (2010). Evidence-based survey of the elimination rates of ethanol from blood with applications in forensic casework. Forensic Sci Int 200:1-20.
- Hunt, J.N., Stubbs, D.F. (1975). The volume and energy content of meals as determinants of gastric emptying. J Physiol 245:209-225.
- Jones, A.W., Jönsson, K.Å. (1994). Food-induced lowering of blood-ethanol profiles and increased rate of elimination immediately after a meal. J Forensic Sci 39:1084-1093.
- Ramchandani, V.A., Kwo, P.Y., Li, T.-K. (2001). Effect of food and food composition on alcohol elimination rates in healthy men and women. J Clin Pharmacol 41:1345-1350.
- Roine, R.P. et al. (1991). Effect of concentration of ingested ethanol on blood alcohol levels. Alcohol Clin Exp Res 15:734-738.
- Mitchell, M.C. et al. (2014). Absorption and peak blood alcohol concentration after drinking beer, wine, or spirits. Alcohol Clin Exp Res 38:1200-1204.
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Diese Seite rechnet mit Durchschnittswerten, weil sie nichts über dich weiß. Die CheersCount-App zeichnet dieselbe Kurve, während du einen Abend einträgst. Und wenn du einen Alkoholtester hast, kann sie etwas, das keine Formel kann: Aus zwei Messungen im Abstand von mindestens 20 Minuten auf dem Weg nach unten berechnet sie deine eigene Abbaurate und verwendet sie für jede weitere Kurve.
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